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  • TERESF
    registriert am 08.11.2017

Der Tag, der den Football veränderte

superbowliii-19692.jpg"Wir werden gewinnen! Das garantiere ich!" Mit diesen Worten verursachte 1969 ein bis dahin unbeachteter Quarterback Kopfschütteln und Gelächter in der gesamten Football-Welt. Keiner hielt es auch nur für annähernd möglich, dass ein Team aus der belächelten AFL den Hauch einer Chance gegen eine NFL-Mannschaft hätte. Niemand hatte im Vorfeld vor dem Super Bowl III die New York Jets auf der Rechnung, schon gar nicht gegen die Übermannschaft aus Baltimore. Was zu einer klaren Angelegenheit werden sollte, entwickelte sich schließlich zu einer der größten Überraschungen in der Sportgeschichte.

Joe Namath spielte bereits sein viertes Jahr in New York und bestach in der Spielzeit 1968/69 nicht unbedingt durch seine Konstanz, als vielmehr durch seine Arroganz und Extrovertiertheit. Die nackten Zahlen sprachen darüber hinaus nicht im geringsten von einem Ausnahme-Quarterback. "Broadway Joe" warf während der regulären Saison mehr Interceptions als Touchdowns, komplettierte weniger als die Hälfte aller seiner Pässe und erzielte im Vergleich zum Vorjahr fast 1.000 Passing Yards weniger. Trotzdem war der 26-jährige Spielmacher stets im richtigen Augenblick mit dem richtigen Spielzug zur Stelle und beflügelte seine Jets, alleine durch seine außergewöhnliche Feldpräsenz, zu Höchstleistungen. So war es nicht verwunderlich, dass die New York Jets, mit Joe Namath "Under Center", in 14 Spielen der regulären Saison elfmal als Sieger vom Platz gingen.

joe_namathTrotz der beeindruckenden Saisonleistung wurde den Jets und der gesamten AFL kaum Beachtung geschenkt. Die National Football League war trotz des Zusammenschlusses mit der AFL drei Jahre zuvor, weiterhin die Football-Liga überhaupt. Auf Teams aus der American Football League gab man keinen Pfifferling. Schon in den beiden Super Bowls zuvor hatten die AFL-Vertreter keine Chance und wurden beide Male von Vince Lombardis Packers vorgeführt. Auch 1969 schien sich dieses Ereignis zu wiederholen, denn diesmal stand keine geringere Mannschaft als die Colts aus Baltimore im Super Bowl.

Die Colts verloren in der gesamten Spielzeit nur ein einziges Spiel und galten quasi als unschlaggbar. In den letzten zehn Spielen, inklusive dem NFL-Championship-Match, dass mit 34:0 gegen Cleveland gewonnen wurde, erlaubte die Colts-Defense nur sieben Touchdowns. Die Offensive der Colts überrante ihre Gegner förmlich und erzielte in der Regular Season 402 Punkte.

Angeführt wurden die Colts von Quarterback Earl Morrall. Morrall, der eigentlich Back-Up des verletzten Johnny Unitas war, erwies sich als so stark, dass er selbst nach Unitas' Genesung von Head Coach Don Shula den Vorzug erhielt. Insgesamt spielten die Colts so überlegen, dass sie bereits als das beste Team aller Zeiten gefeiert wurden.

Unbeeindruckt von der Übermächtigkeit Baltimores, spottete Joe Namath schon kurz nach dem Gewinn des AFL-Championships gegen Oakland über Morrall und die Colts. "Es gibt mindestens vier Quarterbacks in der AFL die bei weitem besser Football spielen, als Earl Morrall". Wenige Tage vor dem großen Spiel setzte Namath noch einen drauf. Seine vielzitierte Sieggarantie über die "unschlagbaren" Colts sorgte für zusätzlichen Zündstoff.

343px-super_bowl_iii_logo.svgAm 12. Januar 1969 war es dann endlich soweit. Die Colts und die Jets standen sich zum Showdown im Orange Bowl in Miami gegenüber. Nun musste Joe Namath beweisen, das er mehr als nur ein Sprücheklopfer war. Der krasse Außenseiter aus New York spielte gegen das Jahrhundertteam aus Baltimore. Es war Zeit für Super Bowl III. Der Tag, der den Football verändern sollte.

Die Jets begannen das Spiel schwach und der erste Drive endete nach nur 15 Yards Raumgewinn in einem Punt. Baltimore hingegen machte dort weiter, wo es im NFL-Championship-Match aufgehört hatte. Morrall führte die Colts von der eigenen 27-Yard-Linie bis zur 19-Yard-Linie der Jets. Doch Baltimore konnte aus der exzellenten Feldposition kein Kapital schlagen. Nach zwei Incompletions und einem Quarterback-Lauf ohne Raumgewinn, verschoss Kicker Lou Michaels ein 27-Yard-Field-Goal-Versuch.

Namath erkannte schnell, dass er nur mit einer List die unbezwingbare Colts-Defense überwinden konnte. Im ersten Spielzug des zweiten Drives feuerte Namath einen langen Pass auf seinen Ausnahme-Wide-Receiver Don Maynard. Zwar überwarf Namath sein Ziel, zog aber damit die Aufmerksamkeit der Colts' Defense auf Maynard. Was die Colts allerdings nicht wussten: Maynard spielte mit einer Verletzung, die er sich eine Woche zuvor zugezogen hatte und agierte nur als Köder. Die Colts stellten ihre Zone Defense um und konzentrierten sich auf die langen Pässe. Namath ließ aber fortan die langen Pässe aus und passte fast ausschließlich kurz, vor allem auf George Sauer, der nun viel mehr Raum hatte.

Mit Sauer als "Kurzpasswaffe" und Running Back Matt Snell für die entscheidenden Yards, bewegten sich die Jets vor allem im zweiten Viertel langsam aber kontinuierlich in Richtung Colts' Endzone. Snells Touchdown-Lauf aus vier Yards Entfernung im zweiten Viertel bedeuteten schließlich die ersten Punkte im Spiel. New York führte mit 7:0, das erste Mal in der Geschichte, dass ein AFL-Team gegen eine Mannschaft aus der NFL in Führung ging.

Morralls Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Ein 30-Yard-Pass auf Running Back Tom Matte brachte die Colts bis zur 38-Yard-Linie der Jets. Doch der Drive endete in einem weiteren verfehlten Field-Goal durch Lou Michaels. Der nächste Ballbesitz der Colts begann mit einem 58-Yard-Lauf durch Matte erneut vielversprechend, endete jedoch kurz vor der Endzone der Jets mit der bereits zweiten Interception Morralls. Da die Jets aber aus ihrem Ballbesitz ebenso kein Kapital schlagen konnten, hatte Baltimore kurz vor der Halbzeit abermals die Möglichkeit auf die Anzeigetafel zu gelangen. Der Spielzug der nun folgte, sollte als eine der fragwürdigsten Quarterback-Fehlentscheidungen in die Geschichte eingehen:

Ein Flea-Flicker-Trick-Play zwischen Matte und Morrall täuschte die Jets' Abwehr so dermaßen, dass Wide Receiver Jimmy Orr auf dem Weg zur Endzone völlig ungedeckt war. Doch Morrall sah Orr nicht und passte stattdessen auf Jerry Hill. New Yorks Safety Jim Hudson sprang dazwischen und interceptete Morrall erneut. Bis heute ist es unerklärlich warum Morrall Orr nicht sehen konnte, vor allem weil Baltimore genau diesen Spielzug schon in früheren Spielen erfolgreich anwendete. Damit gingen die Jets mit einer 7:0-Pausenführung in den zweiten Spielabschnitt.

Das dritte Viertel gehörte klar den Jets. Baltimore erzielte in 15 Minuten nur ganze 11 Yards Raumgewinn und New York erhöhte die Führung durch zwei Jim-Turner-Field-Goals auf 13:0. Nach einem weiteren Field-Goal durch Turner zu Beginn des letzten Spielabschnitts, sah Colts Coach Don Shula nur noch eine Möglichkeit, um seine demoralisierte Truppe nochmals aufzubauen: Er brachte den leicht angeschlagenen Johnny Unitas für Morrall. Der große Meister des American Football sollte noch einmal für die Wende sorgen.

Mit der Einwechslung Unitas' ging in der Tat ein Ruck durch die Mannschaft der Colts und Baltimore konnte auf 16:7 verkürzen. Nach einem erfolgreichen Onside-Kick, sah es sogar danach aus, als könnte Unitas das Spiel noch drehen. Allerdings war für Baltimore an der 19-Yard-Linie der Jets Endstation und nach vier Incompletions mussten die Colts den Ballbesitz mit 2 Minuten und 20 Sekunden zu spielen den Jets überlassen.

Unitas bekam den Ball acht Sekunden vor dem Ende der Partie nochmal zurück. Zu wenig Zeit, um die drohende Niederlage abzuwenden. Der Super Bowl III 1969 war entschieden. Die New York Jets schafften die Sensation und besiegten als erstes AFL-Team eine Mannschaft aus der NFL.

Joe Namath streckte den Zeigefinger in den nächtlichen Himmel über Miami. Das Symbol für die Nummer 1. Wenngleich er in der zweiten Halbzeit nicht einen einzigen Pass warf und im gesamten Spiel keinen Touchdown erzielen konnte, so war doch für alle klar, dass es nur einen MVP an diesem Abend geben konnte. Joe Namath spielte nicht überragend. Aber er war trotz allem der überragende Mann auf dem Feld. Er war nicht der beste Athlet, oder derjenige, der die entscheidenden Punkte erzielen konnte. Er stand für die Gleichwertigkeit der AFL und symbolisierte den Beginn einer neuen Ära im American Football.

Namath konnte nie wieder an den Erfolg im Januar 1969 anknüpfen. Musste er aber auch nicht, denn das eine Spiel, dieser eine unvergessene Tag, der den Football veränderte, war ganz allein sein Tag.

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